Mehr als Fiktion: Ideen für unser Wirtschaftssystem der Zukunft

Mehr als Fiktion: Ideen für unser Wirtschaftssystem der Zukunft (Bild: Dean Moriarty/pixabay.com)
Mehr als Fiktion: Ideen für unser Wirtschaftssystem der Zukunft (Bild: Dean Moriarty/pixabay.com)

Bei Marc Elsberg geht es in jedem Roman um ein mögliches Szenario für unsere Zukunft. Nach Blackout (Energieversorgung), Zero (Social-VR/Internet) und Helix (Gentechnik) geht es in GIER um unser Wirtschaftssystem bzw. den Wohlstand für alle.

Der Plot: Wirtschaftskrise und die Jagd nach der Wahrheit

Die Geschichte spielt im hier und jetzt in Berlin während eines Wirtschaftsgipfels, zu dem die Wirtschaftselite in die Stadt gekommen ist. Es ist buchstäblich der Vorabend der nächsten Rezession. Ausgelöst durch eine Vertrauenskrise gegenüber der gesamten Automobilbranche bricht das Wirtschaftssystem zusammen.

Während die einen bemüht sind, das System zu retten, setzen die anderen alles daran, in diesen Stunden ihr Vermögen durch Wetten gegen das System zu vergrößern. Und Gipfel-Demonstranten versuchen derweil, uns auf die Ungleichheit in der Verteilung von Kapital und Chancen aufmerksam zu machen.

In dieses ziemlich reale Szenario (ok, inzwischen denken wir bei Menschenansammlungen an Abstandsregeln und Maskenpflicht) hat Elsberg eine kurzweilige, rasante und überzeichnete Verfolgungshandlung verwoben. Viele Rezensionen bemängeln die Glaubwürdigkeit der Charaktere, weil diese Fähigkeiten eines Jason Bourne haben, jedoch ohne einen vergleichbaren Hintergrund; andere bemängeln die Sprache.

Ich habe den Roman als Narrativ für eine mögliche neue Zukunft genossen und mich von Elsbergs Gedanken anstecken lassen.

Die Message: ein neues Verständnis zur Umverteilung

Wie Welzer in Transformationsdesign: Wege in eine zukunftsfähige Moderne aufzeigt, braucht es einen Narrativ – eine gute Story – um unsere Menschheit einen Level weiter zu bringen. Und diese Story liefert Elsberg in seinem Roman: Basierend auf realen Arbeiten von Ole Peters  stellt Elsberg eine interessante neue Idee zur Umverteilung vor, die in Summe mehr Wachstum und Wohlstand für alle bedeutet.

Anders als im Wirtschaftssystem des Kommunismus, bei dem durch die Gleichverteilung die persönliche Motivation sinkt, bleibt in diesem Konzept das persönliche Interesse an der Optimierung bestehen.

Mit einigen Erklärungen zur Spieltheorie und zeitabhängigen Durchschnitten erläutert Elsberg, warum sich mit normaler Statistik vor allem nicht erklären lässt, was die Ursache für die großen Einkommens-Unterschiede zwischen den Bevölkerungsschichten in vielen Gesellschaften ist.

Es geht um ein neues Verständnis zur Umverteilung: Auch die, die besonders viel abgeben, sollten begreifen, dass dies der effizienteste Weg zu mehr Wachstum für alle ist.

Es macht Spaß, über eine so erfrischend andere Idee zur Weiterentwicklung des Kapitalismus in der geschützten Form eines Romans nachzudenken und dem Für und Wider in dieser schrägen und abgefahrenen Geschichte zu folgen. Und vielleicht fallen einige dieser Gedanken in unserer aktuellen Situation auf fruchtbaren Boden.

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Marc Elsberg
GIER – Wie weit würdest du gehen?
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