Wie Patientenzentrierung das deutsche Gesundheitswesen auf den Kopf stellen wird

Wie Patientenzentrierung das deutsche Gesundheitswesen auf den Kopf stellen wird (Foto: Mascha Tace/ Shutterstock.com)
Wie Patientenzentrierung das deutsche Gesundheitswesen auf den Kopf stellen wird (Foto: Mascha Tace/ Shutterstock.com)

Der Arzt Eric Topol gilt als einer der innovativsten Köpfe bezüglich der digitalen Zukunft im Bereich Medizin. Seine Visionen zu einer neuen Ära des Gesundheitswesens rütteln kräftig am Status quo. Situationen, in denen Patienten lange Wartezeiten für Arzttermine und Untersuchungen in Kauf nehmen müssen, um letztlich doch kein umfassendes Ergebnis zu bekommen, sollen durch eine neue Art der Datenverwaltung vermieden werden: In Zukunft könnten Smartphones die eigenen Gesundheitsdaten auswerten und per Algorithmus eine Diagnose stellen. Topols Werke erscheinen bisher lediglich in englischer Sprache, seine Gedanken und Ideen in “The patient will see you now“ sind jedoch so lesenswert, dass dies kein Hindernis sein muss.

Disruption im Gesundheitswesen – Topols Blick auf die Angriffspunkte

Topol rechnet mit dem auf Herrschaftswissen der Ärzte funktionierenden System ab. Er liefert eine umfassende Erklärung, weshalb in den nächsten Jahren im Gesundheitswesen kein Stein auf dem anderen bleiben wird und sich alle, die am System beteiligt sind – von Krankenkassen über Ärzte bis hin zum gesamten Ausbildungssystem – massiv umstellen müssen.
Die Digitalisierung führt (nicht nur im Gesundheitswesen) zu einer massiven Verschiebung der Wissensebenen. Patienten greifen auf die neuesten Forschungsergebnisse zu und kommen bestens vorbereitet mit einer Vielzahl von Daten aus verschiedenen Quellen in ein Arztgespräch. Die bisherigen Konzepte zur Datenerhebung (Anamnese) und kurzen Informationsvermittlung am Ende eines Arztbesuches funktionieren in Zukunft nicht mehr.

Das Smartphone als Schaltzentrale für unsere Patientendaten

Für Topol gehören alle Daten des Patienten in seine eigene Hand und Verwaltung. Analog zu einem Geo-Informationssystem mit mehreren Schichten postuliert er für jedes Individuum eine eigene Datenschicht, z.B. für das Genom, den Metabolismus oder den Proteinstatus. Daraus lässt sich in Summe ein echter Überblick im Kontext für unseren Körper ableiten.
Erfasst werden diese Daten aber nicht mehr unbedingt in Laboren oder Krankenhäusern, sondern durch unsere Fitnesstracker, Wearables oder Labore in unseren Smartphones. Topol gibt detaillierte Einblicke, dass dies keine abstrakten Spinnereien sind, sondern schon in wenigen Jahren umsetzbare und realistische Konzepte.
[selectivetweet]Der wirklich mündige Patient als Herr über seine Patientendaten und die Folgen für unser Gesundheitssystem[/selectivetweet]
Verarbeitet und analysiert werden die Daten nicht mehr von menschlichen Ärzten, sondern von Algorithmen, die sich tief durch solche Datenbestände fräsen können.

Datenschutz und Risiken

Intensiv beschäftigt sich Topol mit den Datenschutzrisiken, die sich aus diesen Entwicklungen ergeben. Welche Rahmenbedingungen muss ein Staat schaffen, damit wir die Chancen aus diesen Entwicklungen nutzen können? Muss es z.B. verboten werden, überhaupt ohne das Wissen einer Person eine DNA-Probe zu nehmen und zu analysieren, beispielsweise nach einer Mahlzeit in einem Restaurant durch die Spuren am Besteck?
Welchen Teil der Daten nutzen wir, um ganz konkret unseren persönlichen Fall vorhersagen zu können und einzugreifen? Und wie nutzen wir die Daten der vielen Statistiken, um unsere Gesellschaft zu verändern, anzupassen und vielleicht auch zu manipulieren?

Veränderungschancen nutzen

Es ist eine in seinen Konsequenzen unvorstellbare Zukunft, die technologisch ganz nah vor uns liegt und die wir in den jetzt anstehenden Jahren gestalten können. Topol gibt uns mit diesem Buch das Rüstzeug, Zusammenhänge besser zu erkennen und diese Zukunft aktiv mitzugestalten.
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Eric Topol
The Patient Will See You Now: The Future of Medicine Is in Your Hands
Basic Book Verlag. 384 Seiten, 14,49 Euro
Hörbuch-Ausgabe 30,27 Euro

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